Die Binger Freimaurerloge „Zum Tempel der Freundschaft“ hat am Mittwoch, 28. Oktober, den Großteil ihres historischen Archivs als Depositum an das Stadtarchiv Bingen gegeben. Oberbürgermeister Thomas Feser nahm die Unterlagen zusammen mit Stadtarchivleiterin Petra Tabarelli und Kulturamtsleiter Dr. Matthias Schmandt im Sitzungssaal der Burg Klopp entgegen.
Feser sagte, mit dem Depositum werde ein wichtiger Teil der Binger Stadtgeschichte dauerhaft gesichert. Die Unterlagen zeigten, wie eng die Geschichte der Loge mit der Entwicklung der Stadt verbunden sei. Zudem könne dieses Kapitel künftig besser erforscht werden.
Die Bestände bestehen vorwiegend aus Schriftverkehr der Nachkriegszeit. Sie geben Einblick in die Geschichte der Loge, ihre Wiedergründung nach dem Zweiten Weltkrieg, ihre Mitglieder und Aktivitäten. Dazu gehören auch Protokolle, Korrespondenzen, Satzungen, Einladungen, Zeitungsberichte und Unterlagen zu Ausstellungen.
Die Loge wurde 1867 konstituiert. Ihre Wurzeln reichen zu einem 1860 gegründeten freimaurerischen Kränzchen zurück. Zu den Mitgliedern zählten Persönlichkeiten aus Handel, Gewerbe, Bildung und Verwaltung, darunter bekannte Binger Familien und jüdische Bürger der Stadt. Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte die Loge mehr als 60 Mitglieder.
Unter dem Druck des NS-Regimes musste die Loge 1937 ihr Logenhaus samt Inventar zwangsweise verschenken. Das Gebäude wurde im Krieg getroffen und brannte aus. Nach dem Krieg entstand das heutige Logenhaus weiter zurückversetzt auf dem Grundstück.
Ausschlaggebend waren fehlende Lagerkapazitäten und vor allem die professionelle Aufbewahrung. Außerdem können die Dokumente unter den Bedingungen eines Depositums für die öffentliche Forschung und interessierte Archivbesucher zugänglich gemacht werden. Eigentümerin der Unterlagen bleibt die Freimaurerloge.
Die Binger Loge hat heute 25 Mitglieder im Alter von 30 bis 82 Jahren, mit leicht steigender Tendenz. Die Mitglieder treffen sich wöchentlich, alle sechs Wochen gibt es Gästeabende, die allen Interessierten offenstehen. Hinzu kommen Arbeitsabende, Kerzengespräche und musische Abende. Seit 33 Jahren sammelt die Loge außerdem Spenden für die Musikschule der Volkshochschule Bingen.
Einsicht in die Unterlagen: Interessierte wenden sich an Stadtarchivarin Petra Tabarelli, E-Mail petra.tabarelli@bingen.de, Telefon 06721 184-354.
Quelle: Stadt Bingen am Rhein
